Verlorene Nachbarschaft Buenos Aires - Wien 2008

 



"Die Initiative ‚Verlorene Nachbarschaft' erinnert in beeindruckender und wirksamer Weise an das Novemberpogrom 1938 - als viele österreichische Juden und Jüdinnen z.T. von ihren früheren Nachbarn und Nachbarinnen erniedrigt und letztlich vertrieben wurden. Geschäfte, Wohnungen und Tempel wurden zerstört; auch der Tempel meines Großvaters, der Rabbiner gewesen war, im 10. Wiener Bezirk (dieser musste diese Zerstörung allerdings nicht mehr erleben). Ich unterstütze diese Initiative, weil es wichtig ist, diese und andere Vergangenheiten nicht zu vergessen und damit auch gegenwärtigen Ausgrenzungen und Diskriminierungen Einhalt zu gebieten."

Univ. Prof Dr. Ruth Wodak, Professorin fuer Diskursforschung, Lancaster University

 
 

Die wissenschaftlichen Grundlagen des Projektes

Aus wissenschaftlicher Sicht handelt sich bei dem Projekt um eine komparative und interdisziplinäre kulturwissenschaftliche Forschung, wobei v. a. drei Dimensionen relevant sind:

  • Longitudinale Dimension: es wird angeknüpft an das Projekt 1998, das in Wien stattgefunden hat. Die Debatten, Medienberichterstattung und Rezeption in Wien und dann in Buenos Aires sollen verglichen werden, da ja das Gesamtthema - "Auseinandersetzung mit traumatischen Vergangenheiten" - beide Länder in unterschiedlicher Weise betrifft, besonders aber die Vertreibung und Flucht jüdischer Österreicherinnen und Österreicher aus Wien 1938 und die Folgen des Novemberpogroms in Wien 9.11.1938.

  • Es geht um eine "oral history" der noch lebenden Exil-Österreicherinnen und Österreicher: durch Paneldiskussionen und Interviews wird erhoben, wie deren Leben verlaufen ist. Dies stellt eine einzigartige Materiallage dar, die dokumentiert und ausgewertet werden muss, sowohl durch Historiker wie auch Psychologen.

  • Es geht um eine komparative sozio-politische und historische Studie des Umgangs mit traumatischen Vergangenheiten in den beiden Ländern, Österreich und Argentinien: was wird tabuisiert, wie wird aufgearbeitet, von wem, und wann, mit welchen Folgen? Damit reiht sich unser Projekt in die große Mainstream-Forschung zu "Memory und Auseinandersetzung mit Vergangenheit" ein.

Alle drei Dimensionen werden einerseits durch wissenschaftliches Begleiten und Evaluation der Events dokumentiert und damit Daten erhoben; andrerseits durch wissenschaftliche Quellenrecherche und narrative Interviews.
Da die betroffenen Personen sehr alt sind und daher nicht mehr lange leben, haben wir nun diese einzigartige Gelegenheit, diesen schwierigen Teil österreichischer Vergangenheit aufzuarbeiten.
Wir wollen natürlich auch die Nachkriegsgenerationen einbeziehen und erheben, inwieweit diese durch die Biographien ihrer Eltern in ihrer Lebensgestaltung beeinflusst wurden.


Impressum: Verein Betrifft: Neudeggergasse, ZVR-Nummer: 874631111, c/o Dr. Hans Litsauer, Neudeggergasse 1, 1080 Wien, Tel.: (+43) 0699/154 700 19, office@verlorene-nachbarschaft.at